Heimatgeschichtsverein   Rechenberg-Bienenmühle e.V. Diese Webseite wurde erarbeitet von  - Projektmanagement Lohse  -  HLohse4@gmx.de
Die Flößerei auf der oberen Freiberger Mulde
Beim Jahrhunderthochwasser 2002 wurde die Dammöffnung aufgerissen und Einbauten für den ehemaligen Wasserabfluss wurden freigespült.
Teiche    an    der    Mulde    und    den    Seitentälern    halfen    den    Wasserstand während   der   Floßzeit   in   der   Schneeschmelze   bei   zu   wenig   Schmelzwasser zu   regulieren.   Die   bedeutendsten   Teiche   waren   der   Schwarze   Teich   am Hirschbach   in   Richtung   dem   ehemaligen   Bahnhof   Hermsdorf-Rehefeld,   der große Teich beim heutigen Teichhaus und der Große Teich in Rechenberg.
D ie   Freiberger   Mulde   hat   einen   wesentlichen   Anteil   an   der   Besiedelung und   an   der   wirtschaftlichen   Erschließung   dieser   Region.   Gemeinsam   mit der    Zwickauer    Mulde    bildet    die    Freiberger    Mulde    einen    bedeutenden Nebenfluss der Elbe. Ihre   Quellen   sind   oberhalb   des   Dorfes      Moldava   /   Moldau      in   Tschechien in   etwa   850m   Höhe   am   Glaserberg.   Die   Quelle   ist   nur   2,5   Kilometer   von der   Quelle   der   Wilden   Weißeritz   und   nur   einen   Kilometer   vom   Quellgebiet der   Flöha   entfernt.   Die   Freiberger   Mulde   ist   124   Km   lang   und   fließt   bei Sermuth    in    die    Zwickauer    Mulde.    Bis    dahin    überwindet    sie    einen Höhenunterschied   von   717,6m   und   zählt   mit   zu   den   schnellsten   Flüssen Europas.
Bereits    im    Jahre    1438     versuchte    ein    reicher,    wohlhabender    Bürger    in Freiberg,    der    auch    Frauenstein    besaß,    Holz    auf    der    Mulde    zu    flößen. Darüber gibt die “Zwickauer Chronik” (Schmidts Zwickauer Chronik) Auskunft. „Zu   größerem   Betrieb   der   Bergwerke   und   zum   Besten   der   Stadt   Freiberg” verband   er   sich   mit   dem   damaligen   Freiberger   Bürgermeister.   Dieses   ist   die einzige  Nachricht vom Anfang der Muldenflöße. Gewiss   ist   auch,   dass   die   Schönbergs,   Herren   von   Rechenberg,   aus   den Wäldern   oberhalb   vom   heutigen   Holzhau   bis   zur   "Niedere   Mühle"   (heute Bienenmühle) eine Holzflöße betrieben haben. (Urkunden Staatsarchiv) Herzog   Georg   der   Bärtige   (1500-1539)   kaufte,   um   den   Bergbau   und   das Hüttenwesen   zu   fördern   sowie   die   Stadt   Freiberg   zu   vergrößern,   von   seinem Rat      Caspar   von   Schönberg   auf   Rechenberg   und   Purschenstein   am   Freitag nach   Kilian   (=   8.juli)   1534   ein   Stück   Holz,   zu   Rechenberg   gehörig,   auf   13 Jahre    zur    Selbstabholzung,    für    800    Gulden    rheinischer    Währung    ab. (Staatsarchiv    Dresden    u.Studie    zur    Erschließung    der    Flößereigeschichte            Gemeinde    Rechenberg- Bienenmühle    2005    S.47/484)       Die   Purschensteiner   Chronik   berichtet,   dass   viele Scheitschläger   (Holzfäller)   sich   mit   Genehmigung   der   Guts-herrschaft   dort ansiedelten.    Das    neue    Dorf,    welches    hieraus    entstand,    wurde    Holzhau genannt.   Der   Abtransport,   des   auf   jenem   Waldgebiet   gewonnenen   Holzes, wäre     über     Clausnitz     -     Mulda     und     Berthelsdorf     bei     der     damaligen Wegeerschließung    nicht    nur    umständlich,    sondern    auch    mit    ungeheuren Schwierigkeiten verbunden gewesen. Für   die   Bewohner   des   so   stillen   weltentrückten   Städteleins   (Rechenberg), wie    es    in    der    Belehnensurkunde    des    Rittergutes    genannt    ist,    war    der Holzkauf    und    damit    verbundene    Holzeinschlag,    Transport    und    Wieder- aufforstung   auf   längere   Zeit   eine   stabile   Sicherung   des   Lebensunterhaltes, wenn auch der Verdienst kärglich war.
Im   Oberlauf   verläuft   die   Mulde   in   engen   und   spitzen   Kurven.   Deshalb   wurden   die steilsten   Bögen   mit   großen   Steinen   ausgebaut,   die   auf   untergebauten   Holz   lagerten. Noch   Heute   sind   zwischen   Teichhaus   und   dem   ehem.   Floßteich   am   Hirchbach   diese Einbauten zu sehen.
Schwarzer Teich am Hirschbach. Mitten durch die Dammkrone verlief ab 1459 die Grenze zu Böhmen.
1669 war der eingezeichnete alte Floßteich mit hohen Kosten vergrößert worden (a). Der   Steinbach   (b)   wurde   umgeleitet   und   floss   nun   entgegen   der   Muldenströmung   in   den Teich.   Um   das   böhmische   und   deutsche   Holz   oberhalb   des   Teichs   an   dem   Teich   vorbei flößen   zu   können,   wurde   ein   Graben   (c)   der   sogenannte   Wildgraben   zum   Teil   in   den   Fels getrieben. Dieser wird heute fälschlicher Weise in einigen Karten als Mulde bezeichnet.
Der Umgehungsgraben / Wildgraben (c) heute noch sehr gut zu sehen
Der große Teich in Rechenberg bis 1878 noch aktiv als Fischteich
Die Flößerhäuser in Rechenberg 1972
Oberlohnhaus an der Bettelecke / Batteleck
Warum wurde die Flößerei auf der Mulde und dem Neugraben beendet ? Ausgehend   von   England   verbreitet   sich   der   Prozess   der   Industrialisierung   im 19.   Jahrhundert   in   ganz   Europa.   Die   Brennstoffe   Steinkohle   und   Koks   kamen immer    mehr    zum    Einsatz,    da    höhere    Leitungen    bei    den    Maschinen    und Schmelzöfen möglich waren. Die   Bedeutung   der   Holzkohle   geriet   dabei   immer   mehr   in   den   Hintergrund. Schon   Mitte   des   19.   Jahrhunderts   wuchs   auch   im   sächsischen   Industriegebiet um   Freiberg   und   Chemnitz   der   Bedarf   an   Kohle   derart   stark   an,   dass   er   von dem   relativ   geringen Aufkommen   im   Zwickau   -   Oelsnitzer   Steinkohlenrevier für    die    Zukunft    nicht    mehr    voll    gedeckt    werden    konnte.    Keine    hundert Kilometer      entfernt      lagerten      aber      im      „Böhmischen      Becken”      bei Teplitz/Teplice,   Dux/Duchcov   und   Brüx/Most   ausreichend   große   Mengen   an Braunkohle.   Mit   der   Planung   der   Eisenbahn   durch   das   Tal   der   Freiberger Mulde    über    den    Erzgebirgskamm    bei    Moldau    war    der    Niedergang    der Flößerei      auf      der      Freiberger      Mulde      auch      aus      technischer      Sicht vorprogrammiert,   da   die   neue   Bahntrasse   durch   Teiche,   die   zur   Flößerei benötigt   wurden   führte.   Der   Verlauf   der   Mulde   musste   an   vielen   Stellen   dem neuen   Bahndamm   angepasst   werden.   Eine   Durchführung   der   Flöße   wie   sie 436 Jahre erfolgte, war nicht mehr möglich. 1873    beschloss    das    Finanzministerium    in    Dresden    die    Liquidation    der Mulden- und Neugrabenflöße. 1874 im Frühjahr wurde zum letzten Mal geflößt.  
Kohlezug aus dem böhmischen Becken in Rechenberg nach Freiberg